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Klemperer Online

Tagebücher 1918–1959

[ Klemperer Online: Diaries, 1918–1959 ]

Ed. by Nowojski, Walter / Löser, Christian

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Überblick in Stichworten.
Dienstag 13/II. Alarm 1: 2130–23. Sehr schwer. Stabbombe im Hof, man spritzt aus dem Kellerfenster. Brände, Sturmwind, herausgedrückte Fenster, Scherben. Um 1 Uhr im Bett. E weckt mich. Stille. [H]erunter. Alarm? Ja. Angriff beginnt. E verschwunden. Deckung im Keller. Verletzung. Flucht. Hilfreiche Russen. Granattrichter. Eisenmann1père. Brühlterrasse. Sturm, Regen. Feuergürtel. Stehend bis früh.
Mi. 14/II. Brühlterrassen an der Elbe. Eva. Eisenmann2 mit Schorschi3, weint, das Kind hungere. Zum jüd. Friedhof. Leichen. Alles zerstört. Friedhof auch. Zu Katz4. Kein Durchkommen. Zurück Brühlterrasse. Waldmann5. Sanitätswagen. Flieger, Deckung an Mauer,
überrieselt Schwager Leuschner. Witkowskis67. Loewenstamms89. Seit dem Morgen alle sine stella.10 – Nacht im Albertinum. Sterbende. Wassernot. Sanitäter aus Breslau. Erbettelte Brodstückchen. Spät abends zwei Schnitten geliefert. Neue Leute herein[.]
Klotzsche
Do 15. II. Transport nach Klotzsche, Fliegerhorst. Drei Teller Nudelsuppe. Suchen unsere Leute. Waldmanns, Witkowskys1112, Loewenstam̅s, Frau13 Bein. Lager der Alfonsschule! Orientierungsweg. Vorher „Hauptmann von Koepenick“.14 Ich gebe mein Nationale richtig, sed sine15 ! All das zwangsläufig. Vor dem Mittag Alarm, in schwachem Keller. Nachm. beim Arzt. Abends Kino. (Das war mein Leben!16) Gemeinschaftsnacht. Im̅er in Kleid Kleidern.
Fr 16. II. Bedrückt durch Organisation u. Resistenz. Voces populi. Versorgungsschein gefordert. Abtransport bevorstehend. Loewenstam̅s auf eigene Faust fort. Wege in die Stadt. – In die für sich bestehende Militärstadt. Gedanken der doppelten Gefahr, Gedanken über unsere Verluste.
Sonnabend 17/II. Idee Piskowitz.17Am Nachm. durch E’s Energie verwirklicht. Abends Bahnhof. In Kamenz Mitternacht. NSV u. Wartesaal.
Piskowitz
Sonntag 18/II. Wartesaal-Morgen. Truppen. Der Dompteur. Kein Auto. 8 km Gepäckmarsch.
Trecks. Panzersperren. Schanzarbeiten. Großbaselitz. Das Wirtshaus, der alte Antinazi-Bauer. – Piskowitz. A. krank, Michel †.18Die Schwägerin; ihr Mann Roth. Antinazi, Katholik u. Wende (Ergänzung zu Pleyer!). Das Dorf. Das Haus Haus. Das Essen. Das Waschen. Das Schlafen[.]
Montag 19/II Über Mittag Alarm. Ziehende Geschwader. Der Bürgermeister u. seine Fragen. Bayrische Einquartierung. Cigarettenpapier, Cigarren. – Nachts gegen ½ 5 früh Alarm, schweres Schießen.
Di. 20/II Klarer Vorfrühling. E sondiert bei Bürgermeister Krahl. Morgentoilette. Seit 8 Tagen nicht aus den Hosen. Rasiert! E. abgeklatscht. Flüchtlingin aus Ostpreußen. Russengreuel („standen in der Zeitung“) Marka nach Kleinbaselitz zur Schule. (alle 2 Tage im Gasthof)
Mi 21/II Schulverhältnisse. Atlas Bouhler; Marka rechnet. Patronen im Haus. Ganze Kolonnen von Flüchtlingswagen durch den Regen ziehend. Ochsengespanne, Leute hinterdrein. Händlerin aus Dresden.
Do 22/II Kamenzer Ztg. Frontfeuer Kot[t]bus. Trecks. Aberglaube. Landschaftschaft. 2 Alarme.
Fr. 23/II Regen. Alltag. Schullektüre. – Denkschrift zur Volksschule 1925. – Ferner Ferner Alarm gegen 11 h.
Sonnabend 24/II Regen. – Agnes in Kamenz. Schule der Kinder[.]

Page:  Sonntag 25/II 45 Die große Wäsche während der Seelenmesse. – Das Bienenbuch.19Tr Treck.
Montag 26/II Sturm. Abzug der Soldaten. Karnickel geschlachtet. Bienenbuch[.]
Di 27/II Spinnstubenradio. – „Stadt Gottes“.20 – Verzweifelte Lage[.]
Mi 28/II Immer rettungsloser eingeengt. – Stadt Gottes. – Rosenthal.
Do. 1. III Stadt Gottes (Voltaires Tod) Radio bei Rothe: Goebbels. Zöberlein.21 Kyffhäuser.
Fr. 2.III Sturm. Flugblätter. Tunnel.22 Schlachten.
Sonnabend 3/III Schlachtfest (+ Kriegsgesprächen, Türkei!). Feindgeschwader[.]
Sonntag 4/III. Radio utriusque23 (Sonnabend). Zöberlein.

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Die Dresdener Vernichtung24.am 13. u. 14 (Di., Mi.) II 45
Piskowitz 22/II–24/II 45
Wir setzten uns am Dienstag Abend gegen ½ 10 zum Kaffee, sehr abgekämpft u. bedrückt, denn tagüber war ich ja als Hiobsbote herumgelaufen, u. Abends hatte mir Waldmann25 aufs bestim̅teste versichert (aus Erfahrung u. neuerdings aufgeschnappten Äußerungen), daß die am Freitag zu Deportierenden in den Tod geschickt („auf ein Nebengleis geschoben“) würden, u. daß wir Zurückbleibenden 8 Tage später ebenso beseitigt werden würden – da kam Vollalarm. „Wenn sie doch alles zerschmissen!“ sagte erbittert Frau Stühler, die den ganzen Tag herumgejagt war, u. offenbar vergeblich, um ihren Jungen freizubekom̅en. – Wäre es nun bei diesem ersten Angriff geblieben, er hätte sich mir als der bisher schrecklichste eingeprägt, während er sich jetzt, von der späteren Katastrophe überlagert, schon zu allgemeinem Umriß verwischt. Man hörte sehr bald das immer tiefere u. lautere Summen nahender Geschwader,26 das Licht ging aus, ein Krachen in der Nähe .. Pause des Athemholens, man kniete geduckt zwischen den Stühlen, aus einigen Gruppen Wimmern u. Weinen – neues Herankom̅en, neue Beengung der Todesgefahr, neuer Einschlag. Ich weiß nicht, wie oft sich das wiederholte. Plötzlich sprang das dem Eingang gegenüber gelegene Kellerfenster der Rückwand auf, u. draußen war es taghell. Jemand rief: „Brandbombe, wir müssen löschen!“ Zwei Leute schafften auch die Spritze heran u. arbeiteten hörbar. Es kamen neue Einschläge, aber vom Hofe her ereignete sich nichts. Und dann wurde es ruhiger, u. dann kam Entwarnung. Zeitgefühl war mir verloren gegangen. Draußen war es taghell. Am Pirnaischen Patz, in der Marschallstr. u. irgendwo an oder über der Elbe brannte es lichterloh. Der Boden war mit Scherben bedeckt. Ein furchtbarer Sturmwind blies. Natürlicher oder Flam̅ensturm? Wohl beides. Im Treppenhaus der Zeughausstr 1 waren die Fensterrahmen eingedrückt u. lagen z. T. hindernd auf den Treppen. Bei uns oben Scherben. Fenster eingedrückt auf der Diele u. nach der Elbe hin, im Schlafzimmer nur eines. Auch in der Küche Fenster zerbrochen, Verdunkelung entzwei. Licht versagte, Wasser fehlte. Man sah große Brände über der Elbe u. an der Marschallstr. Frau Cohn27 berichtete, in ihrem Zimmer seien Möbel vom Luftdruck verrückt. Wir stellten eine Kerze auf den Tisch, tranken ein bisschen kalten Kaffee, aßen ein paar Brocken, tappten durch die Scherben, legten uns zu Bett. Es war nach Mitternacht – heraufgekom̅en waren wir um 11 – ich dachte: nur schlafen, das Leben ist gerettet, für heute Nacht werden wir Ruhe haben, jetzt nur die Nerven beruhigen! E. sagte im Hinlegen: „da sind doch Scherben in in meinem Bett!“ – ich

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hörte sie aufstehen, räumen, dann schlief ich schon. Nach einer Weile, es muß nach 1 Uhr gewesen sein, sagte E.: „Alarm“. – „Ich habe nichts gehört“. – „Bestimmt. Es ist leise gewesen, sie fahren Handsirenen herum, Strom fehlt.“ – Wir standen auf, Frau Stühler28
rief an unsrer Tür „Alarm“, E. klopfte bei Frau Cohn an – von beiden haben wir nichts mehr gehört29 – u. eilten herunter. Die Straße war taghell u. fast leer, es brannte, der Sturm blies wie vorher. Vor der Mauer zwischen den beiden Zeughausstr.-Häusern (der Mauer des einstigen Synagogenhofes mit den Baracken dahinter30 – stand wie gewöhnlich ein Stahlhelmposten. Ich fragte im Vorbeigehen, ob Alarm sei. – „Ja“. – Eva war zwei Schritte vor mir. Wir kamen in den Hausflur der No 3. Indem ein schwerer naher Einschlag. Ich drückte mich knieend an die Wand in der Nähe der Hoftür. Als ich aufsah, war E. verschwunden, ich glaubte sie in unserem Keller. Es war ruhig, ich stürzte über den Hof in unseren Judenkeller. Die Tür klaffte. Eine Gruppe Leute kauerte wimmernd rechts der Tür, ich kniete links dicht am Fenster. Ich rief mehrmals nach E. Keine Antwort. Schwere Einschläge. Wieder sprang das Fenster an der Wand gegenüber auf, wieder Taghelle, wieder wurde gespritzt. Dann ein Schlag ans Fenster neben mir, etwas schlug heftig u. glutheiß an meine rechte Gesichtshälfte. Ich griff hin, die Hand war voller Blut, ich tastete das Auge ab, es war noch da. Eine Gruppe Russen – wo kamen sie her? – drängte zur Tür hinaus. Ich sprang zu ihnen. Den Rucksack hatte ich auf dem Rücken, die graue Tasche mit unseren Mss u. E’s Schmuck in der Hand, der alte Hut war mir entfallen. Ich stolperte u. fiel. Ein Russe hob mich auf. Seitlich war eine Wölbung, weiß Gott, welcher schon halb zerstörte Keller. Da drängte man herein. Es war heiß. Die Russen liefen in irgend einer andern Richtung weiter, ich mit ihnen. Nun stand man in einem offenen Gang, geduckt, zusam̅engedrängt. Vor mir lag ein unkenntlicher großer freier Platz, mitten in ihm ein ungeheurer Trichter. Krachen, Taghelle, Einschläge. Ich dachte nichts, ich hatte nicht einmal Angst, es war bloß eine ungeheure Spannung in mir, ich glaube ich erwartete das Ende. Nach einem Augenblick kletterte ich über irgendein Gewölbe oder eine Brüstung oder Stufe ins Freie, stürzte mich in den Trichter, lag ein Weilchen platt an den Boden gedrückt, kletterte dann den Trichter aufwärts, über seinen Rand in ein Telephonhäuschen. Jemand rief: „Hierher, Herr Kl.!“. In dem demolierten Aborthäuschen nebenan stand Eisenmann31 sen., Schorschi auf dem Arm: „Ich weiß nicht, wo meine Frau ist“ – Ich weiß nicht, wo meine Frau u. die andern Kinder3233 sind .. Es wird zu heiß heiß, die

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Holzverschalung brennt .. drüben, die Halle der Reichsbank!“ .. Wir rannten in eine flam̅enumgebene, aber fest aussehende Halle. Die Bombeneinschläge schienen für hier vorüber, aber ringsum flam̅te alles lichterloh. Ich konnte das Einzelne nicht unterscheiden, ich sah nur überall Flam̅en, hörte den Lärm des Feuers u. des Sturms, empfand die fürchterliche innere Spannung. Nach einer Weile sagte E.34 „Wir müssen zur Elbe herunter, wir werden durchkommen“. Er lief mit dem Kind35 auf den Schultern abwärts; nach fünf Schritten war mein Athem weg, ich konnte nicht folgen. Eine Gruppe Leute kletterte die Anlagen hinauf zur Rüh Brühlterrasse; es ging dicht an Bränden vorbei, aber oben mußte es sich kühler u. freier athmen lassen. Ich stand dann oben, im Sturmwind u. Funkenregen. Rechts und links flam̅ten Gebäude, das Belvedere u. – wahrscheinlich – die Kunstakademie. Immer wenn der Funkenregen an einer Seite zu stark wurde, wich ich nach der andern zu aus. Im weiteren Umkreis nichts als Brände. Diesseits der Elbe besonders hervorragend als Fackel der hohe Aufbau am Pirnaischen Platz,36 jenseits der Elbe weißglühend, taghell das Dach des Finanzministeriums. Allmählich kamen mir Gedanken. War E. verloren, hatte sie sich retten können, hatte ich zu wenig an sie gedacht? Ich hatte die Wolldecke – eine, die andere war mir wohl mit dem Hut verloren gegangen – um Kopf u. Schultern gezogen, sie verdeckte auch den Stern, ich trug in den Händen die kostbare Tasche u. – richtig, auch den Lederhandkoffer mit E’s Wollsachen, wie ich den bei all der Kletterei festgehalten habe, ist mir rätselhaft. Der Sturm riß immer wieder an meiner Decke, tat mir am Kopf weh. Es hatte zu regnen begonnen, der Boden war naß u. weich, dort mochte ich nichts hinstellen, so hatte ich schwere körperliche Anstrengung, u. das betäubte wohl u. lenkte ab. Aber zwischendurch war immer wieder als dumpfer Druck ein Gewissenstich da, was mit E. sei, warum ich nicht genug an sie dächte. Manchmal meinte ich: sie ist geschickter u. mutiger, sie wird in Sicherheit sein; manchmal: wenn sie wenigstens nicht gelitten hat! Dann wieder bloß: wenn die Nacht vorüber wäre! Einmal bat ich Leute, meine Sachen einen Moment auf ihre Kiste stellen zu dürfen, um mir die Decke zurechtziehen zu können. Einmal sprach mich ein Mann an: „Sie sind doch auch Jude? Ich wohne seit gestern da in Ihrem Haus“ – Loewenstam̅37. Seine Frau38 reichte mir eine Serviette, mit der ich

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mein Gesicht verbinden sollte; der Verband hielt nicht, ich habe die Serviette dann als Taschentuch benutzt. Ein andermal kam ein junger Mensch an mich heran, der sich die Hosen festhielt. In gebrochenem Deutsch: Holländer, gefangen (daher ohne Hosenträger) im PPD: „Ausgerissen – die andern verbrennen im Gefängnis.“ Es regnete, es stürmte, ich kletterte ein Stück herauf bis an die z. T. abgestürzte Brüstung der Terrasse, ich kletterte wieder herunter in Windschutz, es regnete immerfort, der Boden war glitschig, Menschengruppen standen u. saßen, das Belvedere brannte, die Kunstakademie brannte, überall in der Ferne war Feuer – ich war durchaus dumpf. Ich dachte gar nichts, es tauchten nur Fetzen auf. Eva – warum sorge ich micht nicht ständig um sie – warum kann ich nichts im Einzelnen beobachten, sondern sehe nur immer das Bühnenfeuer zur Rechten u. zur Linken, die brennenden Balken u. Fetzen und Dachsparren in u. zxxxx über den steinernen Mauern? Dann machte mir wieder der ruhige Denkmalsmann auf der Terrasse39 seltsamen Eindruck – wer war es? Aber die meiste Zeit stand ich wie im Halbschlaf u. wartete auf die Däm̅erung. Sehr spät fiel mir ein, mein Gepäck zwischen die Zweige eines Buschs zu klemmen; jxx da konnte ich etwas freier stehen u. meine Schutzdecke etwas besser zu zusammenhalten. (Den Lederkoffer übrigens hat doch E. gehabt; immerhin waren die Tasche u. der Rucksack beschwerend genug. Das verkrustetete Wundgefühl um das Auge herum, das Reiben der Decke, die Nässe wirkten auch betäubend. Ich war ohne Zeit Zeitgefühl, es dauerte endlos u. dauerte auch wieder gar nicht lange, da däm̅erte es. Das Brennen ging immer weiter. Rechts u. links war mir der Weg nach wie vor gesperrt – ich dachte immer: jetzt noch zu verunglücken wäre jämmerlich. Irgendein Turm glühte dunkelrot, das hohe Haus mit dem Türmchen am Pirnaischen Platze schien stürzen zu wollen – ich habe aber den Einsturz nicht gesehen –, das Ministerium drüben brannte silberblendend. Es wurde heller u. ich sah einen Menschenstrom auf der Straße an der Elbe. Aber ich getraute mich noch immer nicht herunter. Schließlich, wohl gegen 7, die Terrasse – die den Juden verbotene Terrasse – war schon ziemlich leer geworden [–] ging ich an dem immerfort brennenden Belvedere-Gehäuse vorbei u. kam an die Terrassenmauer. Eine Reihe Leute saß dort. Nach einer Minute wurde ich angerufen: E. saß unversehrt in ihrem Pelz auf dem Handkoffer. Wir begrüßten uns sehr herzlich, u. der Verlust unserer Habe war uns vollkom̅en gleichgültig, u. ist es uns auch heute noch. E. war in dem kritischen Moment

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aus dem Flur der Zeughausstr 3 von irgendjemandem buchstäblich in den arischen Luftkeller heruntergerissen worden, sie war durch das Kellerfenster auf die Straße gelangt, hatte beide Häuser 1 u. 3 in vollen Flam̅en gesehen, war eine Weile im Keller des Albertinums gewesen, dann durch Qualm an die Elbe gelangt, hatte hatte die weitere Nacht teils elbaufwärts mich gesucht, dabei die Vernichtung des Tham̅hauses (also unseres gesamten Mobiliars) festgestellt, teils in einem Keller unter dem Belvedere gesessen. Einmal auf ihrem Suchweg hatte sie eine Cigarette anzünden wollen u. keine Streichhölzer gehabt; am Boden glühte ein Stück, sie wollte es benutzen – es war ein brennender Leichnam. Im ganzen hatte sich E viel besser gehalten als ich, viel ruhiger beobachtet u. sich selber dirigiert, trotzdem ihr beim Herausklettern Bretter eines Fensterflügels an den Kopf geflogen waren. (Zum Glück war er dick u. blieb unverletzt.) Der Unterschied: sie handelte u. beobachtete, ich folgte meinem Instinkt, anderen Leuten u. sah gar nichts.
Mi 14. Nun war es also Mittwoch Morgen, d. 14/II, u. wir hatten das Leben gerettet u. waren beisam̅en.
Wir standen noch nach der ersten Begrüßung zusam̅en, da tauchte Eisenmann40 mit Schorschi auf. Seine andern Angehörigen hatte er nicht gefunden. Er war so herunter, daß er zu weinen anfing: „Gleich wird das Kind Frühstück verlangen – was soll ich ihm geben?“ Dann faßte er sich. Wir müßten unsere Leute zu treffen versuchen, ich müßte den Stern entfernen, so wie er den seinen schon abgemacht hätte. Darauf riss E. mit einem einem Taschenmesserchen die Stella von meinem Mantel. Dann schlug Eisenmann vor, zum jüd. Friedhof zu gehen. Der würde unversehrt sein u. Treffpunkt bilden. Er zog voran, wir verloren ihn bald aus den Augen und seitdem blieb er für uns verschwunden41.
Wir gingen langsam, denn ich trug nun beide Taschen, u. die Glieder schmerzten, das Ufer entlang bis über die Vogelwiese hinaus. Oben war Haus bei Haus ausgebrannte Ruine. Hier unten am Fluß, wo sich viele Menschen bewegten oder hingelagert hatten, staken im durchwühlten Boden massenhaft die leeren eckigen Hülsen der Stabbrandbomben. (Aus vielen Häusern der Straße oben schlugen immer noch Flam̅en.) Bisweilen lagen, klein u. im Wesentlichen ein Kleiderbündel, Tote auf den Weg gestreut. Einem war der Schädel weggerissen, der Kopf in einer war oben eine dunkelroten Schale. Einmal lag ein Arm da mit einer bleichen nicht unschönen Hand, wie

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man so ein Stück in Friseur-Schaufenstern aus Wachs geformt sieht. Metallgerippe vernichteter Wagen, ausgebrannte Schuppen. Die Menschen weiter draußen hatten z. T. wohl einiges retten können, sie führten Bettzeug u. Ähnliches auf Karren mit sich oder saßen auf Kisten u. Ballen. Zwischen diesen Inseln hindurch, an den Leichen u.Wagentrümmern vorbei, strömte immerfort Verkehr, Elbe auf und -abwärts, ein stiller erregter Corso. Wir bogen endlich – ich überließ mich E[’]s Führung u. weiß nicht wo – rechts zur Stadt hin. Jedes Haus eine Brandruine, aber häufig Menschen davor mit gerettetem Hausrat. Immer wieder noch unversiegte Brände. Nirgends die Spur einer Löschtätigkeit. Eva sagte: „Das Läm̅chen“, „Der Fürstenplatz“. Erst als wir an die Krankenhäuser kamen, orientierte ich mich. Das Bürgerspital schien nur noch Coulisse, das Krankenhaus bloß teilweise getroffen. Wir traten in den jüd. Friedhof. Von dem Haus, das die Leichenhalle u. Jakobys42 kleine Wohnung enthalten hatte, stand dachlos das äußere Gemäuer, dazwischen sah man ein tiefes Loch im nackten Erdboden, sonst gar nichts, alles war vollkom̅en vertilgt. Merkwürdig klein wirkte dieser Raum; rätselhaft, wie er die Halle, die Wohnung u. noch einige Nebenräume enthalten hatte. Ich ging die Allee hinunter zu dem Gärtnerschuppen in dem ich Steinitz, Schein u. Magnus43 oft beim Skat getroffen hatte. Viele Grabsteine u. =Platten waren umgeworfen oder beiseite geschoben, viele Bäume geknickt, manche Gräber wie angewühlt. (Wir fanden nachher noch in einer ziemlich entfernten Straße ein Stück Grabstein, Sara ... war darauf zu entziffern. Der Gärtnerschupppen stand kaum beschädigt – aber nirgends war ein Mensch zu sehen. Einen Keller hat es auf dem Friedhof nicht gegeben – was mag aus Jakoby44 u. seiner Familie geworden sein45? –
Wir wollten nun nach der Borsbergstr zu Katz46, teils um Anschluß zu finden, teils meines Auges halber, aber überall in den Straßen war Schutt u. rauchiger Staub, überall brannten noch einzelne Häuser. Als eines davon wenige Schritte vor uns in sich zusam̅enstürzte, natürlich mit ungemeiner Staubentwicklung, gaben wir den Versuch auf. Langsam mit vielen Pausen, sehr erschöpft gingen wir den gleichen Weg zurück, den wir gekom̅en. Dort flutete der gleiche Corso wie zuvor. Dann suchten wir noch am Platz vor der Zeughausstr, ob sich dort jemand von den unsrigen finde. Die Zeughausstr 3 war ein einziger Geröllhaufen, von der Zeughausstr 1 stand, der Stadt zugekehrt, ein Vorderpfeiler mit einem Stückchen Mauer galgenartig daran hängend. Das ragte gespenstisch u. gefährlich u. verstärkte nur das Bild der absoluten Zerstörung. Wieder kein Mensch. Wir lagerten uns nun an der Außenmauer der Brühlterrasse, Schmalseite. Wir fanden dort

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Waldmann’s u. Witkowskys4748, dazu ein älteres Ehepaar Fleischner4950. Waldmann rühmte sich, einige 40 Leute, Juden u. Arier, aus der Zeughaus 1 gerettet zu haben; dort sei niemand umgekom̅en. Er wußte auch von irgendwoher, daß die Ménages Steinitz u. Magnus heil seien51 – von allen andern wußte er nichts. Sehr merkwürdig berührte es mich, daß sich der ganz verlorene Witkowsky52 zäh u. agil unter den Lebenden befand. –
Auf dem Platz vor uns hielt ein Sanitätsautomobil; Menschen umlagerten es, Bahren mit Verwundeteen lagen in seiner Nähe am Boden. Auf einem Bänkchen beim Eingang des Autos machte ein Sanitäter Augeneintropfungen; mehr oder minder mitgenom̅ene Augen waren überaus häufig. Ich kam rasch an die Reihe. „Nu, Vater, ich tu Ihnen nicht weh!“ Mit der Kante eines Papierstückchens holte er einigen Unrat aus dem verletzten Auge, machte dann eine ätzende Eintropfung in beide Augen. Ich ging, ein wenig erleichtert, langsam zurück, nach wenigen Schritten hörte ich über mir das bösartig bösartig stärker werdende Summen eines rasch näher kom̅enden u. herunterstoßenden Flugzeugs.53 Ich lief rasch auf die Mauer zu, es lagen schon mehr Menschen dort, warf mich zu Boden, den Kopf gegen die Mauer, das Gesicht in die Arme gelegt. Schon krachte es, u. Kiesgeröll rieselte auf mich herab. Ich lag noch eine Weile, ich dachte: „nur jetzt nicht noch nachträglich crepieren! Es gab noch einige entferntere Einschläge, dann wurde es still. – Ich stand auf, da war E. inzwischen verschwunden. Fleischners hatten sie eben noch gesehen, ein Unheil hatte sich hier nicht ereig ereignet; so war ich nicht sonderlich besorgt. Immerhin dauerte es wohl zwei Stunden, bis wir uns wieder trafen. E. hatte beim ersten Bombenabwurf wie ich an der Mauer in Deckung gelegen, nachher einen Keller an der Elbe aufgesucht. Ich suchte sie längs der Mauer, dann mit Waldmann zusam̅en im Albertinum, ich hinterließ an der Mauer sozusagen meine Adresse einem neuaufgetauchten Graukopf, mit dem ich Waldmann in behaglichem Gespräch gefunden. „Leuschners Schwager“ – „Er muß doch wissen, daß Sie u. ich einen Stern getragen haben“ – „Das ist doch jetzt ganz egal! Alle Listen sind vernichtet, die Gestapo hat anderes zu tun, u. in 14 Tagen ist sowieso alles zuende!“ Das war Waldmanns54 in den nächsten Tagen ständig wiederholte Überzeugung, Loewenstam̅55 u. Witkowsky56 urteilten ebenso. Der Schwager Leuschner jedenfalls blieb harmlos, ich plauderte in der Nacht noch wiederholt mit ihm u. am nächsten Morgen reichten wir uns die Hand zum Abschied. Irgendwie also hat sich E. nach einiger Zeit in dem ihr schon von früher her u. vom Beginn der Schreckensnacht her bekannten Albertinumkeller eingefunden. Das große Gebäude hatte in seinen oberen Stockwerken gebrannt, das weiß ich aber nur aus E’s Bericht. Denn oben thronte unversehrt die gußeiserne Queen,57 und der festen Kellerflucht, wahren Katakomben, zu denen von der Thoreinfahrt

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aus eine breite Treppe führte, merkte man nichts an. Die hohen zahlre zahlreichen elektrisch erleuchteten Räume waren sehr voll. Es war schwer auf den Bänken einen Sitzplatz zu finden. Auf dem Fußboden lagen auf Bahren oder Decken oder Betten Schwerverwundete, einige Räume waren ganz als Lazarett eingerichtet, nur von Liegenden angefüllt. Soldaten Soldaten u. Sanitäter gingen u. kamen, neue Bahren wurden hereingetragen. Dort wo ich Platz fand, etwa im mittleren Raum, lag am Boden ein furchtbar röchelnder Soldat, ein starker Kerl mit [mit] mächtigen Beinen u. Füßen. Jeder Vorbeigehende stolperte über seine Stiefel, der Mann in seiner tiefen Bewußtlosigkeit merkte nichts mehr. Dicht neben ihm unter Betten lagen zwei Frauen, die ich lange für tot hielt. Später begann die eine zu stöhnen u. bat mich einmal, ihr die Decke fester an den Rücken zu stopfen. In einer Ecke des Raums stand auf niedriger Estrade eine Dynamomaschine, großes Schwungrad mit Handhebel. Als Eva kam, streckte sie sich auf dieser Estrade lang aus u. schlief viel. Ich selber wanderte viel herum, plauderte, kauerte mich zwischendurch auf ein Bankeckchen u. schlief. Ich war nach der Katastrophennacht u. nach dem reichlichen Gepäckmarsch des Vormittags so abgespannt, daß ich gar kein Zeitgefühl mehr hatte. Es war kaum später als 16 h, da schien es mir schon schon als steckten wir tief in der zweiten Nacht. Die Abspannung wurde durch Hunger verstärkt. Seit der Kaffeemahlzeit am Di. Abend hatten wir keinen Bissen erhalten. Es hieß immer, die NSV werde Verpflegung heranschaffen. Aber nichts kam. Die Sanitätssoldaten hatten Brod u. Wurst zu ihrer eigenen Verpflegung. Davon verschenkten sie einiges. Ich bettelte einen an u. brachte Eva ein Brod. Später kam eine Frau brach mit ihrer fraglos schmutzigen Hand einen Brocken von ihrer Schnitte ab u. reichte sie mir. Das Stückchen aß ich. Viel später, bestimmt schon am vorgeschrittenen Abend kam ein höherer Sanitäter, traf irgendwelche Anordnungen u. rief, jeder würde gleich etwas zu essen bekommen. Dann tauchte eine Schüssel mit weiß weißen Brodpacketen auf, in jedem Packet zwei Doppelschnitten. Aber nach den ersten Minuten hieß es: jedes Packet müssen für zwei Personen reichen. Ich teilte mit Eva. Was aber den meisten – uns merkwürdigerweise nicht – mehr fehlte als das Essen, war Getränk. Anfangs hatte man irgendwo ein wenig Tee aufgetrieben u. einzelne Schlucke verteilt. Bald gab es gar nichts, keinen Tropfen Wasser, auch nicht für die Verwundeten u. Sterbenden. Die Sanitäter klagten, sie könnten niemandem helfen. Der kräftige Waldmann fühlte sich derart durstgequält, daß er buchstäblich verfiel. Er schlief ein,

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fuhr elend auf, er habe vom Trinken geträumt. Neue Sanitäter kamen. Einer setzte Waldmann die Flasche an den Mund. Ein andrer, offenbar schon Arzt, stand ein Weilchen vor dem Röchelnden. „Die Lunge?“ fragte ich. – Gleichgültige Antwort: Ödem. Eine Weile später hörte das Röcheln auf, ein bißchen Schaum trat vor den Mund. Aber der Mann bewegte das Gesicht noch lange, ehe er still lag. Später schaffte man den Leichnam hinaus. Auf dem Hof sollten viele Tote liegen. Ich habe sie nicht gesehen, ich habe dort oben nur (wie x andere auch) mein Geschäft verrichtet. Irgendwann gingen die Lampen aus, man saß im Dunkeln, sogleich wurde gejam̅ert: Sie sind wieder da, u. tatsächlich hörte man das Summen in der Luft, u. tatsächlich waren die Flieger auch wieder da. Kerzen wurden angezündet, u. jemand rief, es seien gar keine Flieger da, man müßte nur mit der Handmaschine neuen Strom für die Beleuchtung u. den Ventilator schaffen. Das große Rad wurde gedreht, u. es sah phantastisch aus, wie die übergroßen Schatten der Arbeitenden an der Wand auf- u. niederfuhren. Nach ein paar Minuten gingen die Lampen allmählich wieder an, u. die Entlüftungsmaschine begann zu singen. Ein paar Stunden später wiederholte sich die Scene .. Eva schlief fest, ich ging herum, schlief wieder, wanderte wieder, war ohne Gedanken u. ohne Zeitgefühl, aber doch etwas entlasteter als die Nacht zuvor. Immer wieder wurden Verletzte hereingetragen oder von einem Raum in den andern verlegt, immer wieder kamen neue Sanitäter, auch neue Civilisten. Ein Mädchen erzählte mir, sie habe im Trompeterschlößchen58 Dienst getan, das einen besonders guten Keller hatte. Beim ersten Angriff sei das Centraltheater u. ein nahes Hôtel getroffen worden, die dort befindlichen Leute hätten den Trompeterkeller aufgesucht, sie hätten sich dort unten Wein geben lassen. Dann habe auch das Schlößchen gebrannt, es sei im Keller furchtbar heiß geworden. Sie, die Kellnerin, ein Koch u. noch zwei Angestellte hätten die Ventilatormaschine mit der Hand bedient, hätten feuchte Tücher vorm Mund getragen u. wären noch ins Freie gekommen; alle andern aber seien zusam̅engebrochen, die Geretteten seien über ganze Leichenhaufen geklettert.
Sehr spät in der Nacht oder schon gegen Morgen kam Witkowsky59 aufgeregt zu mir: „Wir werden alle herausgeschafft, nach Meißen, nach Klotzsche – die zuerst herauskom̅en, sollen es am besten haben, kom̅en Sie gleich mit uns, es geht nach Klotzsche.“ Ich weckte Eva, sie war einverstanden, es dauerte aber eine Weile, ehe sie fertig war. Da hieß es, der Wagen sei voll, es würden aber in

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kurzen Abständen weitere folgen. Wir blieben draußen auf der Bank vor dem Keller – drin war heiße dicke Luft. Wir hörten die Geschichte eines jungen Menschen, der mit seinem Amt von Czenstochau hierhin geschafft worden war, u. nun war hier seine Amtsstelle mit dem Rest seiner Habe untergegangen. Wir saßen lange, es däm̅erte. Dann stand wieder ein Wagen bereit, man schaffte mehrere Kranke auf Bahren hinein, preßte dann uns Gesunde dazwischen u. in den Hintergrund. Eine holprige Fahrt an Ruinen u. Bränden vorüber. Genaues konnte ich von meinem Sitz aus nicht sehen, aber jenseits des Albertplatzes hörte die restlose Zerstörung auf. Ziemlich früh am Morgen des Donnerstag waren wir dann im Fliegerhorst.
Klotzsche Do Morgen 15/II–Sonnabend Abend 17/II.
Die ersteWonne war der Riesenkessel Nudelsuppe im Schlafsaal. Ich nahm ruhig den Löffel eines alten Mannes, der vor mir gegessen hatte. Ich aß drei tiefe Teller. Dann gingen wir auf Suche nach unseren Leuten und fanden sie rasch in einem ganz ähnlichen Saal eines ganz ähnlichen anderen Hauses. Immer habe ich mich in diesen gleichförmigen Labyrinthen verirrt. Wir fanden die Ehepaare Waldmann6061 u. Witkowsky6263 u. die Frau Bein64, der man Mann65 u. Sohn66 im Kz erschossen hat. Gute Leute, aber auf die Dauer – bis Sonnabend war es genug – ein bißchen zu sehr populusque.67 Ebenso wie der arische Teil der Belegschaft. Wo waren die gebildeten Leute geblieben? Wir fragten es uns beide. Wahrscheinlich gibt es davon so wenige, daß sie bei solcher Katastrophe überhaupt verschwinden. Ein grauhaariger Mann sah aus wie ein Hauptmannscher Bühnenvagabund. In der Nacht ließ er E.’s Wolljacke u. Rock unter seinem Kissen verschwinden. Als E. energisch nachforschte u. fand, erklärte er, er habe sich im Dunkeln geirrt. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich der Wankelmut der Volksstimmung. Erst war man über den versuchten Diebstahl empört. Dann aber lehnte sich ein Weib auf: „Warum schläft se nackig? Warum passt se nich uff?“ Und die Stimmung schlug um. Der Populusque – der jüdische mit inbegriffen – war anspruchsvoller als wir: bald war die Suppe zu eintönig, u. unmöglich konnte man sich daran sattessen! Bald war zu wenig „Betreuung“ vorhanden, bald sehnte man sich nach eigenem Zimmer u. „Selberkochenkönnen“. Frau68 Bein war das volkstümlichste Gemüt unserer Gruppe; morgens wachte sie weinend

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auf: „alle Möbel, alles verloren!“ Gleich darauf war sie vergnügt. Uns nahm man wohl ein bisschen übel, daß wir tagüber unsere eigenen Wege gingen. Auch daß wir am Essen nicht mäkelten. Natürlich wurde es wirklich eintönig, immer dieselbe Suppe (nicht mehr das schöne Nudelgemisch des ersten Morgens) u. Schüsseln mit zerkrümelten Brodresten dazu – von welch schmutzigen Fingern zerkrümelt! –, aber wir waren eben dankbar sattzuwerden. – Noch vor dem Mittagessen hatten wir am Do. Alarm, u. der Luftschutzkeller war ein sehr leichtes Bauwerk, das bestim bestimmt keinen Treffer ausgehalten hätte. Aber seltsamerweise war Klotzsche bisher noch immer verschont geblieben u. blieb es auch diesmal – die Flieger waren wieder in Dresden.69– Am Nachm. ging ich ins Lazarett. Mir waren schon in Dresden die übervielen Augenbeschädigungen aufgefallen. Hier hatte man eine besondere Augenstation eingerichtet. Ich kam bald heran, der junge Arzt war sehr liebenswürdigwürdig, fragte nach meinem Beruf u. wurde noch liebenswürdiger u. aufmerksamer. Befund: nach oberflächlicher Untersuchung (u. zu mehr fehlte es hier an allem) befinde sich die Blutung unter der Bindehaut u. sei harmlos; aber ein Riß in der Netzhaut sei doch nicht ausgeschlossen, ich müßte noch einen Facharzt aufsuchen. Wie eilig hätte ich das in normalen Zeiten getan. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig als diese Gefahr Gefahr zu den übrigen zu legen. Das Auge hat sich inzwischen fast hergestellt, u. nun wird wohl nichts weiter mehr nachkom̅en. –
Ich war ohne Hut, Kragen u. Strumpfbänder in Kl. angekom̅en. E. fand ein Hemd mit angearbeitetem weichen Kragen im Luftgepäck – (das trage ich seitdem Tag u. Nacht); eine Krawatte dazu wurde mir vom Kolonialwarenhändler in Kl. geschenkt. Strumpfbänder (u. einen unbenutzbaren Karikaturisten[-]Stoffkragen) verkaufte mir der Kurzwarenladen des Städtchens Die Frau darin war außer sich vor Angst: die Engländer hätten Flugblätter abgeworfen, nun kom̅e Klotzsche an die Reihe Reihe.

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Als wir am Do Abend in unser Quartier zurückkamen, fragte uns ein Soldat, ob wir ins Kino wollten, u. schon saßen wir im Filmsaal. Das erstemal nach 7 Jahren wohl, ein seltsames Gefühl. Wir sahen u. hörten ein Stück Mitte u. wurden nicht klug aus der Handlung („So war mein Leben“ Leben“70); jedenfalls war es technisch u. schauspielerisch nichts sonderlich Gutes, u. eine Veränderung gegenüber dem Film von 38 war nicht zu erkennen.
Der Freitag verlief ähnlich wie der erste Tag im Fliegerhorst. Es hieß schon, wir würden bald von dort fortkom̅en. Man mußte sich einen „Versorgungsschein“ verschaffen – ich hatte Bedenken, die andern gar nicht. Sie kauften sich mit den neuen Marken weißes Brod u. Honig, um die Kost aufzubessern, Witkowsky71 versah sich mit Wäsche, ließ sich auch Geld geben – man war der festen Meinung, der Krieg werde zuende sein, ehe das Chaos in Dresden gelichtet sei. Man betrachtete die Katastrophe sozusagen als Jahwes Veranstaltung zur Errettung der Juden, insbesondere der auf der Deportationsliste Vermerkten. Ich war nicht ganz so zuversichtlich u. bin es nach wie vor nicht. In der Nacht zum Sonnabend hörte ich ununterbrochene Fliegerei. In dieser Nacht kam mir auch der Gedanke: Piskowitz. Am Morgen erzählte eine besonders zutunliche Helferin – sie hatte uns am Do. früh empfangen, sie hatte die Eltern in Breslau – die „Ju’s“ hätten Nachtüber immerfort Verwundete aus dem eingeschlossenen Breslau heraus-, u. Munition hineingebracht.
– Wir machten am Vormittag noch unsere Alleinwege. Bei Tisch (Sonnabend Mittag also) erfuhren wir dann, am Sonntag werde der Fliegerhorst von allem Civil geräumt, die Ausgebombten transportiere man in Orte der Umgebung wie Coswig u. Meißen. Da glaubten wir, Piskowitz dürfte uns ein

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tieferes Untertauchen ermöglichen u. trafen also unsere Vorbereitungen zur Abreise.
Ist noch etwas nachzutragen?
Einmal begegneten wir im Horst Horst einer Amazonengruppe. Die Mädel steckten in Hosen u. marschierten u. sangen wie die Soldaten. Waren aber keine „Flintenweiber“, bloß Helferinnen an Scheinwerfern etc. – u. also doch Amazonen. – Die Familie Loewenstam̅7273 hatte sich schon am Do früh vom Albertinum aus selbständig gemacht. Die arische Frau hat Verwandte in Pulsnitz. Dorthin wollten sie zu Fuß flüchten. –
In Klotzsche kamen mir zum erstenmal Gedanken über unsere Verluste. Alle meine Bücher, die Lexika, die eigenen Werke, ein Maschinenexemplar des 18ième u. des Cur. Geschieht ein Unglück in Pirna, dann ist meine gesamte Arbeit seit 1933 vernichtet. – Im Schreibtisch lagen zusam̅engestellt die Stücke des 3. Bdes gesam̅elter Aufsätze. Wie soll ich das wieder zusam̅enfinden? Bei Tham̅ sind alle meine Sonderdru Sonderdrucke vernichtet ...
Das alles focht mich nicht übermäßig an. Das Cur. würde ich in knapperer u. vielleicht besserer Fassung aus dem Kopf wiederherstellen. (Bei der Buck hat mir einmal ein Satz imponiert: Darauf zerriß sie alle Modellzeichnungen, um nun frei gestalten zu können). Nur um die Sam̅lungen zur LTI wäre es ewig schade.
So oft ich an den Schutthaufen Zeughausstr 1 u. 3 dachte u. denke, hatte u. habe doch auch ich das atavistische Gefühl: Jahwe! Dort hat man in Dresden die Synagoge niedergebrannt[.]
Piskowitz 24/II 45

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Piskowitz. Montag Nachm 19. II 45
Ich habe einen Stichwort-Überblick, den ich fortführe; ich breite hier Einzelnes nach Zeit u. Stimmung aus.
Immer wieder bewegt mich die doppelte Gefahr. Die Gefahr der Bomben u. der Russen teile ich mit allen andern; die der stellastella74 ist meine eigene u die weitaus größere weitaus größere. Das fing in der Terrornacht an; erst schlug ich die Decke darüber. Am Morgen sagte Eisenmann:75 „Sie müssen ihn abnehmen, ich habe es schon getan.“ Ich machte den Mantel frei. Waldmann76 beruhigte mich: in diesem Chaos u. bei Vernichtung aller Amtsstellen u. Verzeichnisse .. Übrigens hätte ich gar keine Wahl; mit dem Stern würde ich sofort ausgesondert u. getötet. Dem ersten Schritt folgten zwangsläufig die anderen. In Klotzsche die Aufnahmeliste mit Victor Kl. senz’altro.77 Erst von mir mir nur diktiert. Später bei Ausgabe von Essmarken von mir unterschrieben. Danach brauchte ich Versorgungsschein. Jetzt auf zwei Ämtern in Stadt Klotzsche genaue Angaben u. Unterschriften. E nahm auch eine Raucherkarte für mich. Ich unterzeichnete zweimal. Ich saß in Restaurants, ich fuhr Eisenbahn u. Trambahn – auf alles das steht im 3. Reich für mich der Tod. Ich sagte mir immer, wer wolle mich kennen, zumal wir uns aus dem Dresdener Bezirk entfernten. Kamenz ist eigene Amtshauptmannschaft. Hier fragten wir Agnes zuerst, ob sie im Ort je erzählt habe, daß ... Antwort: niemanden. Der junge Bürgermeister78 nun wollte wissen, wie wir auf Piskowitz verfallen seien. Ich: Agnes sei lange Jahre bei uns in Stellung gewesen. „Ach dann sind Sie der Herr ..“ – „Klemperer“. [„]Haben Sie früher nicht woanders gewohnt?“ – „Ja, in der Hohen Str.[“] – [„]Da war doch die Anna Dürrlich bei Ihnen.“ Wir gingen unbefangen auf alles ein, fragten nach Anna – sie sei in Wien verheiratet. Dann bei der Aufnahme des Nationale die in Klotzsche nicht gestellte Frage: Religion? – Evangelisch. „Sie sind nicht jüdischer Abstam̅ung oder Mischling?“ „Nein“. Verabschiedung mit freundschaftlichem Händedruck; wir müssen wegen der Lebensmittelkarten u. des Bezugsscheines, genauer Wirtschaftspasses mit dem Vermerk der Ausbombung noch einmal hin. Ich stehe dem Tod genauso nahe wie in der Bombennacht.
Voces populi. In Klotzsche. Eine junge Lübeckerin. [„]Sie wollen uns durch den Terror zur Kapitulation zwingen. (Mit ehrlicher Erbitterung) Sie sollen sich getäuscht haben!“ Ein paar ratschende Weiber, popularissime, 79 die in Dresden waren u. etwas aus ihrem Keller gerettet haben. „Mutschmann war da“. – „Hätten Sie ihm doch gleich einen Stein in die Fresse gehauen!“ Bei Tisch, eine grauhaarige: Man könne den Heeresbericht nicht verstehen, weil die Junge gegenüber so laut rede. Die Junge: Ich lasse mir den Mund nicht verbieten. Ich habe genug Führerreden gehört!“ Ein andermal eine Matrone: [„]Unser guter Führer, der sooo den Frieden gewollt habe –aber die Feinde, u. jetzt die Verräter unter uns, die an allem schuld sind, nur die Verräter sind schuld!“
– Genauso unübersichtlich u. zwiespältig wie die vox populi ist die Lage. Der Fliegerhorst Klotzsche machte in jeder Beziehung auf mich den Eindruck der ungemeinsten Solidität. Ich dachte wiederholt, sie sind unbesieglich. Einmal das Militärische. Die gediegene schlicht-elegante künstlerische Anlage einer ganzen Militärstadt. Durchweg einstöckige geräumige antikisierend einfache Gebäude, in kunstvoll stehen gelassene[m], mit Gartenanlagen geschmücktem Naturwald gesetzt. Es sind Flieger Fliegerschulen, die Inschriften der Säle Säle sind kaum andere als die der Hörsäle in der Hochschule.

Page:  Die Toiletten, die Zimmer u. Waschräume elegant. Ein besonderer Kinosaal. Den Räumlichkeiten entsprechend die Leute. Freilich handelt es sich hier um ausgewähltes u vorgebildetes Volk. Von der eigentlichen Schulanlage fort fort führt eine Allee am Parkplatz schwerer Transportautos u. an großer Kaserne vorbei zum Flugplatz. Am Tor, dem einzigen Zugang der Soldatenstadt oder in nächster Nähe das Lazaretthaus u. das Gebäude der Kommandantur. Alles künstlerisch schön, alles glänzend gehalten, alles von frischem Leben erfüllt. Wo ist hier Menschenmangel oder Materialmangel oder Stimmungsmangel oder Lässigkeit oder Renitenz? Wo spürt man 5½ Jahre Krieg u. nahen Niederbruch? Aber viel viel imposanter noch als das militärische Element war das andere. In Massen strömten die Dresdener Obdachlosen hier heran, tausend soll man hier hierhin gebracht haben, u. die plötzliche Anspannung wurde glatt ausgehalten. Jeder bekam seine Matratze auf dem Fußboden der großen Säle – ich dachte an die Alfonsschule80 anno 1915 –, jeder wurde reichlich satt; es gab zur Hauptmahlzeit schöne dicke Suppen in beliebiger Menge, es gab morgens u. Abends Kaffee u. reichliche Brode mit irgendwelchem Aufstrich, wir wurden satter, u. auf nahrhaftere Weise, als zuhaus, u. niemand brauchte zu hungern (obwohl viele über Eintönigkeit klagten.) Von größter Geduld u. Liebenswürdigkeit waren die Helferinnen. „Es spurte“, so wenige Kilometer vom Chaos fing sich die stürzende Organisation wieder. Danach muß Deutschland wirklich Meter für Meter vernichtet werden, ehe es ganz verloren ist. Danach kann es noch lange Widerstand leisten. – Aber dann gingen wir in die Stadt Klotzsche. Dreifaches Leben der Landstraße in ununterbrochenem Strömen. Einmal Militärtransporte, allerhand Train. Russengäulchen u. russische Soldaten,81 oft mit asiatischen Gesichtern – deutsche Armée das zur Rettung Europas. Sodann von Dresden her Leute mit bepackten Handwagen, mit Resten, die sie unter Trümmern in Kellern gefunden. Ihnen entgegen Flüchtlingstrecks aus dem Osten. Lastwagen z. T. durch kunstvolle Strohdächer in Wohnwagen verwandelt, gelegentlich ein kleiner Wagen od. eine Kutsche an den ersten Wagen gebunden. Hier dachte ich wieder, es könne doch nicht mehr lange dauern.

Fußnoten

  • 1

    Leidensgefährten - Eisenmann, Walter

  • 2

    Leidensgefährten - Eisenmann, Walter

  • 3

    Leidensgefährten - Eisenmann, Georg (Schorschi)

  • 4

    Leidensgefährten - Katz, Willy

  • 5

    Leidensgefährten - Waldmann, Kurt

  • 6

    Leidensgefährten - Wittkowski, Emma, geb. Saemann

  • 7

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 8

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Rosa, geb. Schöne

  • 9

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Erwin

  • 10

    sine stella (lat.) ohne Stern; hier: ohne Judenstern.

  • 11

    Leidensgefährten - Wittkowski, Emma, geb. Saemann

  • 12

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 13

    Leidensgefährten - Bein, Liddy Johanna, geb. Hüttner

  • 14

    Anspielung auf eine Szene in Carl Zuckmayers Stück „Der Hauptmann von Köpenick“ (1930): der Schuhmacher Wilhelm Voigt tritt nach dem Anlegen der Uniform in der Bahnhofstoilette erstmals als Hauptmann auf. – Vgl. auch den Eintrag vom 24. 2. 1945.

  • 15

    sed sine (lat.) aber ohne; Victor Klemperer gab wahrheitsgemäß seine Personalien an, jedoch ohne Hinweis auf seine jüdische Abstammung.

  • 16

    „Das war mein Leben“, Berlin-Film GmbH (Berlin, 1944); Regie: Paul Martin; Drehbuch: Stefanie von Below, Gustav Kampendonk; behandelt das Leben eines Landarztes; mit Carl Raddatz, Hansi Knoteck, Leni Marenbach und Paul Dahlke.

  • 17

    In Piskowitz bei Kamenz wohnte Agnes Scholze, geb. Zschornack, die von Februar 1925 bis April 1929 Hausangestellte bei Klemperers war.

  • 18

    Der Ehemann von Agnes, Michel Scholze, war im September 1944 mit 46 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben.

  • 19

    August von Berlepsch, „Die Biene und ihre Zucht mit beweglichen Waben in Gegenden ohne Spätsommertracht“, Schneider, Mannheim 1873.

  • 20

    „Stadt Gottes“, Zeitschrift der Steyler Missionare, einer 1875 in Steyl in den Niederlanden gegründeten katholischen Ordensgemeinschaft.

  • 21

    Hans Zöberlein, „Der Glaube an Deutschland. Ein Kriegserleben von Verdun bis zum Umsturz“, Eher, München 1931. – Hans Zöberlein (1895–1964) wurde bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der fanatischsten Hitleranhänger; 1933 war er eine Zeitlang Leiter des Kulturamtes München; gehörte zu Kriegsende als Führer einer „Werwolf“-Einheit zu den Haupttätern der Penzberg-Morde vom 28. 4. 1945, denen 16 Hitlergegner zum Opfer fielen; acht von ihnen wurden auf seinen Befehl gehenkt, darunter eine Schwangere. Im Penzberg-Prozeß im Sommer 1948 wurde Zöberlein zum Tode verurteilt; das Urteil wurde beim Übergang zum Recht der Bundesrepublik Deutschland 1949 in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt; aus gesundheitlichen Gründen wurde Zöberlein 1958 aus der Haft entlassen.

  • 22

    Bernhard Kellermann, „Der Tunnel“, Roman, S. Fischer, Berlin 1913.

  • 23

    utriusque (zu ergänzen: partis) (lat.) beider (Seiten); bezieht sich auf die Nachrichtensendungen des deutschen und des ausländischen Rundfunks.

  • 24

    Die Dresdener Vernichtung – Für die vom 22. bis 24. 2. 1945 in Piskowitz erfolgte Niederschrift der Ereignisse seit dem Abend des 13. Februar 1945 bis zur Ankunft in Piskowitz benutzte Klemperer die Rückseiten unbeschriebener Feldpostbrief-Vordrucke (Paginierung I bis X) sowie drei linierte Blätter (einseitig beschrieben; Paginierung XI bis XIII).

  • 25

    Leidensgefährten - Waldmann, Kurt

  • 26

    Bei den beiden kurz aufeinander folgenden Angriffen am 13. 2. 1945 von 22.13 Uhr bis 22.37 Uhr und am 14. 2. 1945 von 1.23 Uhr bis 1.54 Uhr warfen 243 bzw. 529 britische Lancaster-Bomber insgesamt 1 477 t Minen- und Sprengbomben und 1 181 t Brandbomben auf Dresden ab.

  • 27

    Leidensgefährten - Cohn, Margarete Marie, geb. Lupko

  • 28

    Leidensgefährten - Stühler, Elisabeth (Lisl), geb. Burkhardt

  • 29

    Sowohl Frau Cohn als auch Lisl Stühler und ihr Sohn Bernhard überlebten den Angriff und das Kriegsende; Stühlers flüchteten nach Bayern und emigrierten Ende 1947 in die USA; der Kontakt wurde durch einen (in lateinischer Sprache geschriebenen!) Brief Bernhard Stühlers aus München vom April 1946 wiederaufgenommen.

  • 30

    Hier waren teils russische „Hilfswillige“, teils russische Zivilgefangene (mit Haftstrafen belegte Zwangsarbeiter) untergebracht.

  • 31

    Leidensgefährten - Eisenmann, Walter

  • 32

    Leidensgefährten - Eisenmann, Elisabeth Flora (Lisl)

  • 33

    Leidensgefährten - Eisenmann, Herbert

  • 34

    E.: Walter Eisenmann.

  • 35

    Leidensgefährten - Eisenmann, Georg (Schorschi)

  • 36

    Der Kaiserpalast zwischen Moritzring und Amalienstraße.

  • 37

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Erwin

  • 38

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Rosa, geb. Schöne

  • 39

    Das Denkmal des Architekten Gottfried Semper, oberer Abschluß der Treppenanlage zwischen den Gebäuden des Albertinums und des Kunstvereins an der Brühlschen Terrasse.

  • 40

    Leidensgefährten - Eisenmann, Walter

  • 41

    Walter Eisenmann und sein jüngster Sohn Georg (Schorschi) trafen wieder mit der übrigen Familie; zusammen; sie tauchten nach dem 13. 2. 1945 unter und zogen nach Kriegsende wieder in ihre Heimat Aussig (Usti nad Labem) in der Tschechoslowakei zurück.

  • 42

    Leidensgefährten - Jacoby, Karl,

  • 43

    Leidensgefährten - Magnus-Alsleben, Fritz

  • 44

    Leidensgefährten - Jacoby, Karl,

  • 45

    Karl Jacoby, seine Frau Elisabeth und seine Tochter Ursula (Ulla) überlebten; er war nach 1945 zeitweise Stadtrat in Neustadt/Sa.

  • 46

    Leidensgefährten - Katz, Willy

  • 47

    Leidensgefährten - Wittkowski, Emma, geb. Saemann

  • 48

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 49

    Leidensgefährten - Fleischner, Anna Antonie, geb. Bohne

  • 50

    Leidensgefährten - Fleischner, Emil

  • 51

    Ménage (frz.) Ehepaar. – Während Fritz Magnus- Alsleben und seine Frau Luftangriff und Kriegsende überlebten, kam das Ehepaar Steinitz ganz offenbar während der Bombennacht vom 13. 2. 1945 ums Leben.

  • 52

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 53

    Am 14. 2. 1945 kurz nach 12 Uhr mittags erfolgte ein weiterer Angriff von 311 B-17-Bombern der US-Air Force, die 474 t Minen und Sprengbomben und 296 t Brandbomben vor allem auf Bahnanlagen in Dresden-Friedrichstadt und Dresden-Altstadt abwarfen; gleichzeitig griffen Geleitjäger die Flüchtlingstrecks u. a. auf den Elbwiesen im Tiefflug an.

  • 54

    Leidensgefährten - Waldmann, Kurt

  • 55

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Erwin

  • 56

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 57

    Gemeint ist die allegorische Sandsteinfigur am nordöstlichen Hauptgiebel des Albertinums.

  • 58

    Trompeterschlößchen, Restaurant und Hotel am früheren Dippoldiswalder Platz; 1945 zerstört.

  • 59

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 60

    Leidensgefährten - Waldmann, Luise, geb. Pfitzner

  • 61

    Leidensgefährten - Waldmann, Kurt

  • 62

    Leidensgefährten - Wittkowski, Emma, geb. Saemann

  • 63

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 64

    Leidensgefährten - Bein, Liddy Johanna, geb. Hüttner

  • 65

    Leidensgefährten - Bein, Leo

  • 66

    Leidensgefährten - Bein, Heinz Günther

  • 67

    populusque, scherzhaft herausgelöster Teil aus der formelhaften lateinischen Wendung: Senatus populusque Romanus (Senat und Volk von Rom); dem Sinne nach: gewöhnliches Volk; hier in der Bedeutung von: volkstümlich, gewöhnlich.

  • 68

    Leidensgefährten - Bein, Liddy Johanna, geb. Hüttner

  • 69

    Beim Angriff am 15. 2. 1945 gegen 12 Uhr warfen 210 B-17-Bomber mehr als 460 t Sprengbomben verstreut über dem Stadtgebiet ab, namentlich am Münchner Platz und im Waldschlößchen-Viertel.

  • 70

    „Das war mein Leben“ Berlin-Film GmbH (Berlin, 1944); Regie: Paul Martin; Drehbuch: Stefanie von Below, Gustav Kampendonk. [Korrektur am Lemma; korrekt (mit doppelter Durchstreichung): „So war mein Leben“ Leben“1]

  • 71

    Leidensgefährten - Wittkowski, Raphael

  • 72

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Rosa, geb. Schöne

  • 73

    Leidensgefährten - Löwenstamm, Erwin

  • 74

    stella (lat.) Stern; hier: Judenstern.

  • 75

    Leidensgefährten - Eisenmann, Walter

  • 76

    Leidensgefährten - Waldmann, Kurt

  • 77

    senz’altro (ital.) ohne weiteres; im Sinne von: ohne Zugehöriges; hier: ohne den vorgeschriebenen Zusatz „Israel“.

  • 78

    Georg Krahl (sorb. Jurij Kral), vor 1945 Ortsvorsteher von Piskowitz; die später mitgeteilte Auffassung von Agnes Scholze, Krahl sei über die Person Victor Klemperers im Bilde gewesen, habe aber bewußt geschwiegen, scheint durchaus glaubhaft.

  • 79

    popolarissime; Steigerungsform von popolare (ital.) volkstümlich: volkstümlichst; überaus volkstümlich.

  • 80

    In der Alphonsschule in der Nymphenburger Straße in München war 1915 das „Rekrutendepot“ des 7. bayerischen Feldartillerieregiments untergebracht, in das Klemperer am 15. 7. 1915 als Kriegsfreiwilliger eintrat.

  • 81

    Einheiten von „Hilfswilligen“ oder der aus russischen Kriegsgefangenen aufgestellten sogenannten Wlassow-Armee.

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Faksimile Ausschnitt © 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston. Alle Rechte an den Originaltexten © Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin. Verwendung der Digitalisate der Tagebücher mit freundlicher Genehmigung der SLUB Dresden.
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