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Vita

Bramante, Donato (Donnino; Donino) (Donato di Angelo di Antonio [di Renzo]; Donato di Pascuccio d'Antonio; irrtüml. Lazzari), ital. Architekt, Maler, Dichter, *1444 Monte Asdrualdo b. Fermignano/Pesaro, †11.4.1514 Rom (lt. Vasari 70jährig; begr. in St.Peter).

Biogramm

Sohn des Angelo di Antonio di Renzo aus Farneta und der Vittoria di Pascuccio aus Monte Asdrualdo; der Beiname Bramante vom Vater der Mutter. In einem röm. Dok. von 1510 nennt B. sich "hastrubaldino", in den Quellen jedoch meist allg. als Urbinate bezeichnet. Vasari ist die wichtigste Quelle für B.s Leben und Werke, deren Zuschr. jedoch noch immer umstritten sind. Da bis zum Aufenthalt in Bergamo 1477 Dok. fehlen, wurde versucht, die Ausbildung v.a. stilkrit. anhand seiner Tätigkeit in der Lombardei zu bestimmen. Lt. Vasari schulte er sich nach der Unterweisung durch den Vater an den Werken des Fra Carnevale da Urbino; lt. Sabba da Castiglione (1549) in der Malerei Schüler von Mantegna und in der Perspektive Schüler des Piero della Francesca. Die ersten gesicherten Werke (z.B. der Prevedari-Stich, 1481) verweisen auch auf das humanistische Klima in Urbino, wo u.a. der Meister der Barberini-Tafeln, die Architekten Luciano Laurana und Francesco di Giorgio Martini sowie Piero della Francesca arbeiteten. B. ist auch stark beeinflusst vom Schaffen des Mantegna in Padua, mittelbar von Donatello, von Leone Battista Alberti sowie von Ercole de Roberti. Aufenthalte in Ferrara und Mantua sind wahrsch. (Bruschi, 1969). Angesichts der engen Freundschaft zw. Federico II da Montefeltro und Cosimo de' Medici könnte B. auch in Florenz die Werke des Filippo Brunelleschi kennengelernt haben. Lt. einer Hypothese von S.Borsi könnte B. sich nach dem Tod der Gemahlin des Federico da Montefeltro, Battista Sforza, zw. 1472 und 1474 nach Pesaro begeben haben, wo deren Vater regierte und Marco Zoppo, Giovanni Bellini und Melozzo da Forlì tätig waren, und nachfolgend zu Ascanio Sforza, dem Bruder des Lodovico il Moro und seinem künftigen Auftraggeber nach Venedig und Bergamo. Hier beauftragte ihn 1477 der Prätor der Stadt, der venez. Adelige Sebastiano Badoer, zus. mit dem Präfekten Giovanni Moro, mit der Dekoration der Fassade des Pal. della Ragione. Die 1927 wiederentdeckten Fresken-Fragm. der Fassade zeigen, wie schon Michiel bezeugte, Philosophen, die sieben Weisen der Antike, begleitet von erklärenden und moralisierenden, auf das "Guten Regimentes" bezogenen Inschr. (lt. Rossi, 1991, Propheten); von diesem Zyklus Epimenides, Chilon und Teile einer als Pittakos von Mytilene identifizierten Figur sowie Reste einer Schein-Archit. erh. (jetzt im Inneren des Pal.). Diese Figuren standen in einer illusionist. Loggia mit Kassettendecke in Untersicht, eine an die Pala di San Zeno von Mantegna erinnernde Komp., die B. wesentlich komplexer in der Casa Visconti-Panigarola wieder verwendet. Die Ausführung der Fresken oblag Mitarb. unterschiedl. Qualität. Von B. stammt die noch mit Unsicherheiten behaftete Figur des Chilon und, mit gewissen Zweifeln, die fragm. Figur des Pittakos, dessen Kopf dem Uomo laureato in der Pin. di Brera, Mailand, nahesteht (zur Zuschr. cf. zuletzt Bora, 1988; Giordano, 1993). Wahrsch. war B. ab 1480, nach der Rückkehr des Lodovico il Moro aus dem Exil, in Mailand ansässig, wo er anlässlich eines Vertrages vom 24.10.1481 zw. dem Maler Matteo de'Fedeli und dem Stecher Bernardo Prevedari über den Druck einer seiner Zchngn dok. ist (lt. Romano, 1990, ist Matteo der Käufer von B.s Original). B.s Zchng ist verloren und vom Prevedari-Stich sind nur zwei undat. Exemplare erhalten (Mailand, Civ. Racc. delle Stampe A. Bertarelli; London, Brit. Mus.). Die Darst. (Innenraum einer Kirchen- oder Tempelruine mit Figuren) bezieht sich vielleicht auf den Abschied des Apostels Barnabas (cf. Mulazzani, 1972, '74, '78); der Raum spielt auf eine der ältesten Mailänder Kirchen an, S.Giovanni alle Quattro Facce und ist eine wichtige Perspektivstudie, die lt. Mulazzani im Zusammenhang mit der Rekonstr. der vom hl.Barnabas gegr. Kirche S. Maria del Paradiso steht. B. verwendet hier erstmals das Schema des in ein Quadrat einbezogenen griech. Kreuzes, das er bei seinen Archit.-Projekten in Mailand und Rom wieder aufgreift. Er spielt auf den Pal. Schifanoia, Ferrara, das Altar-Gem. des Piero della Francesca (Brera) sowie auf die Himmelfahrt Christi des Mantegna (Uffizien) an, aus der er die kniende Gestalt im Gegensinn übernimmt (S.Borsi, 1989). Ein Dok. vom 10.10.1478, nach dem eine Laienbruderschaft den Bau der Kirche S. Maria presso S.Satiro übernimmt, die das wundertätige Marienbild an der Außenwand von S. Satiro schützen sollte, gilt als "terminus post" für B.s Arbeitsbeginn. Trotz neuer Forsch. anlässlich der Rest. (1983-92) sind die Bauphasen noch unklar. S.Borsi (1992) vermutet ein einheitliches Konzept mit T-förmigem Grundriss, Vierungskuppel, drei Schiffen und einer Sakristei am rechten Querarm, während der Scheinchor später entstand. B.s Autorschaft ist kaum umstritten, auch wenn er in den Baudokumenten erst ab 4.12.1482 erscheint. Parallel zum Kirchenbau wurde B. mit Rest. und Dekoration der ma. Kap. von S.Satiro beauftragt; auch die Verbindung des kleinen Zentralbaues mit der Kirche zeigt eine einheitliche Planung. Die Ausführung des Scheinchores fällt sicher in die Zeit nach dem Auftrag über die Skulpturengruppe der Beweinung Christi an Agostino de' Fondulis (1483), vielleicht erst in die Phase der Bauverzögerung infolge der Pest von 1485. Sicher wurde er vor Arbeitsaufnahme des Giovanni Antonio Amadeo an der Fassade am 28.9.1486 unter B.s Oberleitung begonnen. Lt. Borsi (1992) könnte B. mit der Dekoration des Chores bis zur endgültigen Entscheidung über die Orientierung der Kirche 1486 gewartet haben. Mit vergoldetem und farbig gefasstem Stuck ist er ein Hauptwerk der illusionistischen Raumkunst, das eine tiefe, begehbare Apsis vortäuscht, die nicht realisierbar war. B. gelang es, eine Anlage in Form eines griech. Kreuzes vorzutäuschen, die auf die Disposition auf dem Prevedari-Stich anspielt. Durch das Projekt einer Kap. des hl.Theodor im Auftrag des Herzogs Lodovico il Moro (nicht ausgef.) kommt B. nach dem 19.9.1496 nochmals mit der Bauhütte von S.Maria presso S. Satiro in Mailand in Verbindung. In einem Saal im Haus des Dichters und Hofhumanisten Gaspare Visconti schuf B. einen 1901 abgenommenen Freskenzyklus (jetzt Pin. di Brera; Sironi, 1978) mit der Darst. von Kriegern (von Lomazzo, 1584, beschr. und z.T. mit Personen aus dem Kreis um Lodovico il Moro identifiziert). Die mon., physiognomisch ans Groteske grenzenden Figuren stehen auf hohen Sockeln in perspektivisch verkürzten, gemalten Nischen. In den Köpfen des Uomo laureato und des Sängers wurden Porträts von B. selbst und seinem Auftraggeber Visconti vermutet. Die Interpretationen des Zyklus reichen von einer Allegorie des "idealen Staates" bis zur Ikonogr. der "Uomini illustri" als plausibelster Deutung (Murray, 1962; Mulazzani, 1974; Strinati, 1994). Die urspr. über einer Tür zu einem Nebenraum befindlichen Figuren des Heraklit und Demokrit leiten sich wahrsch. vom Thema des "Gymnasiums" oder der "Akademie" nach Marsilio Ficino her (Blankert, 1966/67; Giordano, 1993). Die Dat. des Zyklus ist umstritten (Bruschi, 1971 [in DBI]: zw. 1480 und 1485; S. Borsi, 1989: zw. 1492 und 1494), doch ist eine Entstehung nach 1486, als Visconti das Gebäude erwarb, am wahrscheinlichsten. Wohl aus derselben Zeit stammt die häufig Bramantino zugeschr. Freskierung der Fassade des Pal. Fontana-Silvestri. Danach entstanden die einzigen erh. Gem., die B. während seines Aufenthaltes in Mailand zugeschr. wurden. Das Tafelbild des Christus an der Geißelsäule (Pin. di Brera), das sich lt. Lomazzo in der Abtei von Chiaravalle befand, verrät die Kenntnis der realist. Landschaft und der anatom. Studien des Leonardo und ist der Höhepunkt von B.s maler. Werk (zur ikonolog. Deutung cf. Mulazzani, 1972). Das Fresko des Argus über dem Eingang zur Camera del Tesoro des Castello Sforzesco entstand wahrsch. A. der 1490er Jahre in Zusammenarbeit mit dem jungen Bramantino (Romano, 1990: vor 1491; Giordano, 1993, und Fiorio, 1993: um 1493). Von B.s Hand sind die Schein-Archit. in starker Untersicht und die mon., infolge der Einwölbung des Saales verstümmelte Figur des Argus, die drei monochromen Rundbilder mit allegor.-mytholog. Szenen sind Bramantino (1465) zuzuschreiben. Die These einer Zusammenarbeit beider Maler wurde zuerst von Longhi 1916 vertreten, der sie 1955 zugunsten einer alleinigen Ausführung durch Bramantino verwarf (wieder aufgegriffen von Bruschi, 1969; Giordano, 1993, und Fiorio, 1993; während sich Mulazzani, 1978, Romano, 1982, Bora, 1988, und S. Borsi, 1989, für die Ausführung eines Entwurfes von B. durch Bramantino aussprechen). Lt. Dok. v. 2.8.1488 ist B. als Vertrauensmann des Kardinals Ascanio Sforza mit der Prüfung des Neubauprojektes des Domes von Pavia befasst. Seine von G.A. Amadeo überarbeiteten Vorschläge gingen in das Holzmodell des Domes (Mus.Civ., Pavia) ein. B.s Anteil besteht in der Wahl eines Grundrisses in der Art des Brunelleschi, der zentralisierenden Erweiterung des Presbyteriums sowie der plastischen Gestaltung der Baukörper. Zw. 1489 und 1490 befasste sich B. mit dem Problem des Tiburiums für den Mailänder Dom und übergab den Kirchenpflegern, die den Plan des verantwortlichen Architekten Amadeo favorisierten, eine vom Herzog erbetene Stellungnahme mit dem Titel Bramanti opinio super domicilium seu templum magnum. In dieser einzigen erh. theoretischen Schrift B.s spricht er sich für ein Oktogon zugunsten eines dem gotischen Bau entsprechenden quadratischen Vierungsüberbaues aus. Die Quellen des 16. Jh. schreiben B. mehrere theoretische Schriften zu, die verloren sind und vielleicht nie existierten: eine über die Quadratur des Menschen- und Pferdekörpers, die er Raffael hinterließ; eine über die Perspektive (Lomazzo, 1584, '90); ein Traktat Dell'Architettura in fünf Bdn; ein Buch u.d.T. Pratica und ein Traktat in drei Bänden Modo di fortificare. Lodovico il Moro konsultierte B., der zu Beginn der 1490er Jahre "artista ducale" geworden war, bei der Rest. des Castello Sforzesco und der Neugestaltung des Hauptplatzes von Vigevano, dem Neubau der Kanonika von S. Ambrogio und dem Neubau von S.Maria delle Grazie, deren Presbyterium herzogliches Mausoleum werden sollte. In Vigevano ist B. 1492-95 als Entwerfer von nicht erh. Dekorationszyklen im Castello bezeugt. Die Forsch. weist ihm auch die später veränderte Gestaltung des Hauptplatzes mit den Lauben zu. Ab Febr. 1492 ist er dok. in Zahlungen für den Abriss und Neubau des Kreuzganges der Kanonika von S. Ambrogio, Mailand, von dem nur der an die Kirche anschließende Flügel errichtet wurde (erh.), dessen 1496 voll. Portal (nach dem 2. Weltkrieg rekonstr.) zur Apsis an Werke des L.B. Alberti in Mantua erinnert. Ascanio Sforza bezog B., als die Arbeiten an der Kanonika unterbrochen wurden, vor dem 6.1.1498 auch beim Neubau des Konvents der Basilika ein. Neben den eigtl. Konventsbauten sah das Projekt auch den Neubau der Kreuzgänge vor. B. legte im folgenden Jahr, nach der Ankunft der Franzosen und der Flucht des Herzogs, nur den ionischen Kreuzgang an. Am 29.3.1492 begann der Neubau des Chores von S.Maria delle Grazie, nachdem der ältere Bau von Solari abgebrochen worden war, um eine Grabkapelle für Lodovico il Moro und Beatrice Sforza zu errichten. Die einhellige Zuschr. an B. wird bisher jedoch von keinem Dok. gestützt. Von B. ausgef. wurde die Zentralanlage des Chores, der Entwurf der Sakristei und des Kreuzganges, während urspr. der Neubau der gesamten Kirche einschl. der Fassade vorgesehen war, wofür 1499 eine Anzahlung geleistet wurde. Die Gestaltung des Außenbaues der Chores oblag wiederum Amadeo, während die Sgraffiti und die Innendekoration, die auf das Himmlische Jerusalem anspielen und der Darst. des Prevedari-Stiches nahestehen, von B. stammen dürften (Bruschi, 1983; Rossi, 1986). 1492-94 war B. gleichzeitig an mehreren Bauvorhaben und Festdekorationen der Sforza tätig und oft aus Mailand abwesend, vermutlich in Florenz oder sogar in Rom. Sicher war er in Crevola im Val d'Ossola, um im Auftrag des Herzogs zu prüfen, ob der Palastbau eines örtlichen Adeligen zur Verteidigung einer kurz vorher erb. Brücke tauglich sei. Aus seiner letzten Mailänder Zeit stammen die für Lodovico il Moro errichtete Ponticella (um 1495), eine gedeckte Brücke des Castello Sforzesco (Cesariano, 1521), die Kap. der Cascina di Pozzobonella mit quadratischem Grundriss und achteckiger Kuppel und die Fassade von S.Maria Nuova in Abbiategrasso, erb. vor E.1497 (obere Säulenordung und Rückwand des Triumphbogens E.17.Jh. von Tolomeo Rinaldi erneuert). Nach dem Fall des Herzogtums verließen B. und Leonardo im Herbst 1499 Mailand. Lt. Vasari war B. sicher vor Beginn des Jubeljahres 1500 in Rom, wo er den Auftrag für das verlorene Fresko des Wappens Papst Alexanders VI. über der Porta Santa von S.Giovanni in Laterano erhielt sowie antike Bauten und Mon. studierte und vermaß. Neuerdings schrieb Patetta (1994) B. Text und Hschn. der Antiquarie prospettiche Romane composte per prospectivo Melanese depinctore zu, datierbar um 1501 (lt. Borsi, 1989 und Agosti, 1990: Umkreis des Bramantino oder Bernardo Zenale, datierbar 1496-98). Das erste gesicherte Werk B.s in Rom sind Kreuzgang und Konvent von S.Maria della Pace im Auftrag des Kardinals von Neapel, Oliviero Carafa, Dominikaner und Parteigänger der span. Partei in Rom und Freund des Mailänder Erzbischofes Guido Antonio Arcimboldi. B. ist nur einmal am 17.8.1500 dok., arbeitete aber noch im Nov. 1503 am Kreuzgang. Er entwarf die Anlage mit den zwei Säulenordnungen und den Eckpfeilern mit den Pilasterresten und leitete den eilig errichteten Bau. Hier manifestiert sich B.s Interesse an der Antike, das ihn im selben Jahr nach Neapel führte, wo er lt. Vasari den Kardinal Carafa kennenlernte. Unter dem Borgia-Papst rest. B. lt. Vasari die später veränderten Brunnen vor S. Maria in Trastevere und auf der Piazza S. Pietro (Zuschr. heute angezweifelt; cf. Bruschi, 1969; S. Borsi, 1989). Vasari schreibt ihm weiter die Voll. des Pal. della Cancelleria und der Kirche S.Lorenzo in Damaso zu, für deren Bau B. von Kardinal Raffaele Riario zus. mit einer Gruppe von Fachleuten konsultiert worden war, darunter wahrsch. auch Antonio da Sangallo d. Ä. (in der neueren Forsch. B.s Anteil an beiden Werken umstritten; S.Borsi, 1989). Lt. Vasari entwarf er den Pal. Castellesi im Borgo Nuovo, Rom, in Anlehnung an den Pal. della Cancelleria (zw. 1499 und 1503) und beteiligte sich an den Gemeinschaftsprojekten der Erweiterung von S. Giacomo degli Spagnoli im Auftrag des span. Kardinals Bernardino da Carvajal und dem Bau von S. Maria dell'Anima (Grundsteinlegung 1500). Kardinal Carvajal ist auch B.s Hauptmittelsmann beim span. Königshof für den Bau des Tempietto von S. Pietro in Montorio (beg. lt. Inschr. 1502 und voll. gegen 1507). Die Zuschr. des Tempietto an B. findet sich noch vor Vasari bei dem Anonimo Magliabecchiano (1544). Die Forsch. setzt den Bau, entgegen der Inschrift, zw. den Beginn der Arbeiten am Kreuzgang von S.Maria della Pace um 1500 und den Projekten für St. Peter, oder, seltener, zw. 1505 und '06 an. B. entwarf für die Kap. des Apostelfürsten ein kreisrundes mon. Ziborium, das innerhalb eines nicht realisierbaren kreisförmigen Peristyls symbol. auf die absolute Zentralität der Macht des neuen Papstes, Julius II., anspielen sollte. Seit den Traktaten von Serlio und Palladio hatte der sich langwierig hinziehende und später veränderte Bau ein bedeutende historiograph. Nachwirkung. Die "maniera moderna" oder "grande maniera" B.s ist aber erst mit Beginn seiner Tätigkeit unter Julius II. am Pal. und Cortile del Belvedere im Vatikan (beg. 1503/04) und dem Neubau von St. Peter fest zu umreißen. In der Senke zw. dem Belvederehügel, auf dem sich der kleine Pal. von Innozenz VIII. befand, und dem vatikan. Pal. plante B. lange Verbindungskorridore zw. beiden Komplexen mit Höfen auf versch. Niveau. Trotz der stark beschäftigten päpstl. Bauhütte errichtete B. den Haupthof mit drei Terrassen, abgeschlossen von der im 16.Jh. zur Großen Nische ("Nicchione") umgebauten Exedra, den Statuenhof als päpstl. Skulpt.-Mus., wo die 1506 bzw. 1510 gefundenen Skulpt. von Laokoon und Apoll Aufstellung fanden, die Wendeltreppe, den O-Flügel des Belvedere-Pal. und die Porta Julia. Die Auseinandersetzung B.s mit der Antike wirkte so nachhaltig, dass er den Pal. Innozenz VIII. als Abschluss einer bewegten perspektiv. Szenerie zur klass. röm. Villa umdeutete. B.s Werk wurde aber schon durch die Ergänzungen und Verstärkungsbauten des 16.Jh. stark verändert (Eiche, 1994). Mit der imperialen Politik Julius II. wurde auch das Projekt der Erneuerung des vatikan. Pal. wieder aufgenommen, wofür B., der seit dem Beginn des Pontifikats von Julius II. (1503) die Oberleitung der päpstl. Bauten innehatte, zw. 1507 und 1509, vor Raffaels Eingreifen, dreigeschossige Loggien am S-Flügel des Damasus-Hofes plante und begann (aus Vasaris Angaben ist aber eine Dat. zw. 1504 und 1506 zu folgern). Die bedeutungsvollste päpstl. Baumaßnahme war der B. anvertraute Abbruch und Neubau der frühchristl. Basilika von St. Peter (B. erhielt dafür den Beinamen "ruinante"), für den neben B. die Architekten Egidio da Viterbo, Giuliano da Sangallo und Fra Giocondo herangezogen wurden. B. legte zwei aufeinanderfolgende Pläne vor, die durch Zchngn von fremder Hand dok. sind. Der erste, 1505 vom Papst abgelehnte Plan erscheint revolutionär, eine Zentralanlage mit kräftigen Pfeilern und dynam. Ausbildung der Massen und Räume. Der zweite, ebenfalls 1505 datierbare, aber vor der Grundsteinlegung am 18.4.1506 überarbeitete Plan, sah die Anfügung von Chorumgängen vor (Frommel, 1994; Bruschi, 1987). B. stellte nur die vier mon. Kuppelpfeiler fertig, arbeitete aber auch unter Papst Leo X. weiter bis zu seinem Tod an der Basilika und stellte das Tegurium von St. Peter fertig, eine mon. Kap., die den antiken Altar der Basilika schützte (bald verändert und 1592 abgebrochen; durch zwei Zchngn des 16. Jh. bek.). B., nur im Militärbauwesen den Brüdern Antonio (d. Ä.) und Giuliano da Sangallo nachgeordnet, ist dok. bei Arbeiten an der Wiederherstellung der Engelsburg (Giovannoni, 1931), der Burg von Viterbo, wo er mit Mitarb. zw. 1506 und 1508 einen Arkadenhof erb. (Bentivoglio, 1983) sowie beim Hafen und der neuen Festung von Civitavecchia (1513) als Leiter der Instandsetzung des Hafenbeckens (Guglielmotti, 1880). Nach einem kurzen Aufenthalt 1506 in Bologna nach der Wiedereinnahme der Stadt durch den Papst, war B. für Julius II. in Rom tätig beim Bau des Chores von S.Maria del Popolo (1505 beg., 1510 voll.) und des großen turmbewehrten Pal. dei Tribunali (1508, 1511 Bau eingestellt) sowie der urbanist. Anlage der Via Giulia mit dem Bau der Kirche S.Biagio. Die Gestaltung des Chores von S.Maria del Popolo mit dem kassettierten Tonnengewölbe und der muschelförmigen Apsiskalotte steht in enger Beziehung zum zeitgleichen Projekt des Grabmals für Julius II. in St.Peter und stellt eine der am besten erh. Arbeiten B.s dar (cf. Dok. von 1509). Im Auftrag von Julius II. war B. 1513 Oberaufseher des Baues der päpstl. Villa della Magliana (Dezzi Bardeschi, 1971), wo er vielleicht schon vorher von Kardinal Alidosi konsultiert wurde. Nach B.s Tod entstanden zwei Zchngn, die wahrsch. seine Planung für den Neubau der Kirche S. Celso wiedergeben, die ihm zugeschr. wird (beg. 1509, im 16.Jh. voll.). B. zugeschr. wird auch die noch in die Zeit Julius II. fallende Planung für das Sanktuarium von Loreto, die auch den apostol. Pal. und den Platz betraf, nicht aber die Fassade, die, auf einer Med. von 1509 wiedergegeben, für B.s Maßstäbe zu konventionell wäre (B. erstmals in zwei Briefen vom 25. und 30.12.1507 gen.; Weil Garris Posner, 1974; S. Borsi, 1989). Unter Leo X. wurden die führenden Positionen im päpstl. Bauwesen wieder mit Florentiner Architekten, angeführt von Andrea Sansovino und Antonio da Sangallo d. J., besetzt. Möglicherweise war B., wie es ein am 13.12.1510 in Bologna geschriebener Brief bezeugt, beim erkrankten Papst, kehrt aber bald nach Rom zurück, wo er zw. E.1510 und 1513 als Schöpfer der Fassade des Pal. Caprini (später Wohnhaus Raffaels) bezeugt ist (zu E. des Jh. verändert, 1937 abgerissen; Bruschi, 1969; Frommel, 1973: Bau 1500-01). Nach Zchngn oder Plänen B.s von 1504/05 und 1509 wurden nach seinem Tod das Nymphäum im Park des Pal. Collona in Gennazzano und die Kirche S.Maria della Consolazione in Todi errichtet. Sein letztes, zu Lebzeiten nicht mehr voll. Werk ist der Chor von St.Peter in Rom. Wie die Quellen belegen, war B. während der "renovatio" unter Julius II. della Rovere nicht nur als Architekt tätig, sondern befasste sich auch mit Hydraulik und Urbanistik, wie z. B. der Anlage der Piazza S. Pietro. Lt. Sabba da Castiglione war er auch Dichter und Kosmograph; Vasari berichtet von seinen Fähigkeiten im Leier-Spiel. Krank und arbeitsunfähig nahm B., der ledig und kinderlos blieb, im hohen Alter viele Mitarb. in seine florierenden Werkstatt auf, darunter Antonio da Sangallo d. J. und Baldassare Peruzzi. - B.s Originalität, Experimentierfreude und starke Hinwendung zur Antike hinterließen in der Malerei der Lombardei im späten 15. und frühen 16. Jh. eine bedeutende Nachfolge (Vincenzo Foppa, Ambrogio Bergognone, Donato Montorfano, Bernardo Zenale und Bramantino). In der Archit. wurde wunschgemäß Raffael der Erbe seines mon. und dekorativen Stiles, der ihm auch in der Bauleitung von St.Peter nachfolgte. Auch wenn B. oft im Wettstreit mit anderen Architekten war, z.B. mit Amadeo in Mailand und Giuliano da Sangallo in Rom, vermochte er dank seiner extrovertierten und entgegenkommenden Art dennoch, mit diesen zusammenzuarbeiten. Sein geniales und wissbegieriges Wesen ließ ihn einerseits die Freundschaft Leonardos in Mailand gewinnen, hinderte ihn aber, sich mit dem abweisenden Michelangelo in Rom zu verstehen.

Werke

Werk-Verz.: G.Mulazzani/G.A.Dell'Acqua, 1978; F.Borsi, 1989.

Ausstellungen

E: 2014-15 Mailand, Pin. di Brera (K) / 2014-15 Vicenza, Palladio Mus.

Bibliographie

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