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Die Ernährungsgewohnheiten von Wölfen in Zentralgriechenland

March 5, 2019

In der Mythologie gefürchtet, von Bauern als Tötungsmaschine, die ihr Vieh dezimieren, verteufelt: Der europäische Grauwolf wurde infolge seiner Reputation in der Vergangenheit in ganz Europa intensiv bejagt und verfolgt, und ist heute in vielen europäischen Ländern ausgestorben. Jüngsten Datenerhebungen nach nimmt die Wolfspopulation jedoch dank umfangreicher Artenschutzmaßnahmen und der Wiederherstellung ihrer Lebensräume zu. Forscher untersuchen nun, wie Menschen und Wölfe friedlich koexistieren können.

Das Verständnis der Ernährungsgewohnheiten von Wölfen ist entscheidend für den Schutz der Wolfspopulationen und die Verringerung ihrer räuberischen Auswirkungen auf Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine. Dies ist besonders wichtig, wenn Wölfe in von Menschen dominierten Lebensräumen wie in Südeuropa leben. In Bereichen mit hoher menschlicher Aktivität, wie z.B. der Viehzucht, sind Wölfe inzwischen stark auf Vieh und menschliche Abfälle angewiesen.

Durch umfangreiche Bejagung und Lebensraumverschlechterung starb der Grauwolf in Südgriechenland (Peloponnes) in den späten 1930er Jahren aus. Darüber hinaus setzte der Population in Zentralgriechenland jahrzehntelange Verfolgung, Kopfgelder und legale Verwendung von Giftködern erheblich zu. Schließlich erhielten in den 1980er und 1990er Jahren Wölfe durch eine Gesetzesänderung mehr Schutz, wodurch sich die Populationen wieder erholten, insbesondere in Süd- und Mittelgriechenland.

Im Artikel „Wolf diet and livestock selection in central Greece“ von Maria Petridou et al., veröffentlicht in De Gruyters Zeitschrift Mammalia, legen die Autoren nun eine detaillierte Analyse der Ernährungsgewohnheiten von Wölfen in Zentralgriechenland vor. Die Autoren zeigen, dass das Verständnis der Essgewohnheiten der Tiere für die Gestaltung und Umsetzung grundlegender Arterhaltungsmaßnahmen unerlässlich ist.

Dabei analysierten die Forscher mit Standardlaborverfahren Kotproben von Wölfen aus land- und forstwirtschaftlichen, aber auch aus von Menschen geprägten Gebieten in der Gemeinde Domokos. Über einen Zeitraum von zwei Jahren rekonstruierten die Wissenschaftler anhand ihrer Daten die Zusammensetzung der Nahrung und schätzten die Beutemenge, die von den Wölfen konsumiert wurde.

Das Biologenteam unter der Leitung von Yorgos Iliopoulos und Maria Petridou stellte fest, dass Nutztierbeute den größten Teil der Nahrung der Wölfe in diesem speziellen Untersuchungsgebiet ausmacht, wobei die Ziege die bevorzugte Wahl ist. Hinter ihnen rangierten Schafe und Rinder.

Obwohl Ziegen nicht das am meisten verfügbare Nutztier waren, kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Präferenz der Wölfe für Ziegen sehr wahrscheinlich mit ihrem Weideverhalten und ihrer einfachen Zugänglichkeit zusammenhängt. Ihr Verhalten, verstreut und in abgelegenen Gebieten zu grasen, macht sie zu einem leichten Ziel für Wölfe, was wenig überraschend zu Konflikten zwischen Mensch und Wolf führt.

Um das Zusammenleben zwischen beiden in Griechenland zu erleichtern, muss eine wesentliche Verbesserung der Haltungspraktiken sowie eine erfolgreiche Wiederherstellung von wild lebenden Huftierpopulationen erreicht werden. „Diese beiden Ziele sind eine notwendige Voraussetzung, um die Unabhängigkeit der Wölfe von menschenbezogenen Nahrungsquellen wie Vieh und Müll zu gewährleisten und schwerwiegende Konflikte mit ländlichen Gemeinden zu lösen“, sagt die Studienautorin Maria Petridou.

Den vollständigen Artikel können Sie hier lesen:

https://doi.org/10.1515/mammalia-2018-0021

De Gruyter
Eric Merkel-Sobotta
Communications
Tel: +49 30 260 05 304
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