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Nano – gefährlich groß. Neue Erkenntnisse zur lebensbedrohlichen Pseudoallergie CARPA

February 23, 2016

Weltweit reagieren bis zu 100 Patienten täglich mit heftigen Symptomen wie akuter Herzschwäche, Atemnot, Rückenschmerzen, Nesselsucht oder gar Bewusstlosigkeit auf die Injektion gewisser Nanopartikel. Diese sogenannte CARPA-Reaktion ist eine mit der Aktivierung des Komplementsystems einhergehende Pseudoallergie (CAPRA steht für engl. Complement-Activation Related PseudoAllergy). Mitunter ist die Unverträglichkeitsreaktion gar so vehement, dass sie unkontrollierbar zum Tode führt. Denn was die meisten nicht wissen: Nanoarzneien sind schlichtweg zu groß. Sie erreichen die Größe von Viren; der Körper wehrt sich. 

János Szebeni von der Semmelweis Universität in Budapest ließ es keine Ruhe, dass ausgerechnet Letzte-Hoffnung-Nanomedikamente den Patienten so unvorhersehbar schädigen können. Er arbeitet seit über 20 Jahren daran, das CARPA-Phänomen zu verstehen, um es möglichst zu verhindern. Als Mitherausgeber des European Journal of Nanomedicine (EJNM) hat er nun federführend zwei ausführliche Sonderteile der Zeitschrift zu CARPA zusammengetragen. Weltweit anerkannte Experten auf dem Gebiet der Pseudoallergie präsentieren darin ihre jüngsten Erkenntnisse.

Von Schweinen und Menschen

Interessanterweise helfen den Wissenschaftlern Schweine dabei, den Mechanismus verstehen zu lernen. Sie gelten als ideales Modell für die Erforschung des komplexen Krankheitsmechanismus, der Diagnosestellung und möglicher Behandlungsansätze von CARPA. „Die Empfindlichkeit dieser Borstentiere lässt sich mit der von Menschen vergleichen. Sie reagieren drastisch auf CAPRA auslösende Nanopräparate“, erklärt Szebeni.

In einem Beitrag des CARPA-Sonderhefts zeigen Rudolf Urbanics und Kollegen, dass Reaktionen auf spezifische Nanoarzneien bei Schweinen gar quantitativ nachvollziehbar sind (DOI: http://dx.doi.org/10.1515/ejnm-2015-0011). Szebeni: „Das ist absolut selten im Bereich der Allergie-Forschung. Bei diesen Tieren endet die Überreaktion an einem bestimmten erhöhten Druck der Lungenarterie – und das so präzise wie bei einer Schweizer Uhr.“ Schweine können so helfen, potenziell CARPA-auslösende Nanopräparate zu identifizieren. Das wird umso wichtiger, je mehr moderne Medikamente auf ihre Unbedenklichkeit hin getestet werden müssen. Ergebnisse aus der Schweineforschung erlauben es eventuell, die Verabreichungsweise von Nanoarzneien gezielt an jeden einzelnen Patienten anzupassen. Ganz frisch aus dem Forscherlabor kommt ein besonderer CARPA-Immuntest: Er untersucht das Blut der Patienten. Mit seiner Hilfe könnten mögliche Überreaktionen sogar noch vor Gabe der Nanomedikamente entdeckt werden.

Für weitergehende Informationen zu CARPA können Sie sich direkt an den EJNM-Herausgeber János Szebeni  jszebeni2@gmail.com wenden.